Eingewachsener Zehennagel / Unguis incarnatus
Ein Unguis incarnatus oder eingewachsener Zehennagel kann äusserst schmerzhaft und quälend sein. Gelegentlich sind die Schmerzen so stark, dass kaum noch normales Schuhwerk getragen werden kann. Viele Patienten leiden Monate oder sogar Jahre unter immer wiederkehrenden Beschwerden. Wenn Sie unter einem Unguis incarnatus leiden, kläre ich gerne mit Ihnen die therapeutischen Möglichkeiten und begleite Sie bis zum Abschluss der Behandlung.
Ein Unguis incarnatus liegt dann vor, wenn der Zehennagel beim Vorwachsen seitlich in das umgebende Gewebe einwächst (Nagelwall). Durch die Verletzung der Haut haben Bakterien leichtes Spiel, sie können in das Gewebe eindringen und eine Entzündung verursachen. Es kommt zur Schwellung, Rötung und Sekretion. Bei Fortbestehen der Entzündung kann es auch zur Eiterentwicklung und zur Bildung von «wildem Fleisch» (Hypergranulation) kommen. Begleitet wird eine solche Entzündung oftmals von starken Schmerzen. Unter Umständen wird nicht einmal die Bettdecke auf dem erkrankten Zeh ertragen. Meistens ist die Grosszehe betroffen, selten auch der zweite oder der kleine Zeh.
Meistens führt eine Kombination aus verschiedenen Gründen zur Entstehung eines Unguis incarnatus:
- Zu enges Schuhwerk drückt die Grosszehe gegen die zweite und quetscht den seitlichen Nagelwall gegen die Nagelkante
- Anlagebedingt stark gebogene Zehennägel begünstigen ein Einwachsen
- Falsche Nagelpflege: Wird der Nagel an den Ecken zu kurz abgeschnitten, beginnt sich die scharfe Nagelkante an der Innen- oder Aussenseite in die Nagelwallhaut zu schieben und die Haut zu verletzen.
- Nagelverdickungen durch Pilzbefall oder alters- oder unfallbedingte Nagelschädigungen
- Traumatisch bedingter Nagelverlust
Bei nur leichten Formen kann die Behandlung mit Nagelspangen versucht werden.
Sie werden unter den betroffenen Nagelrand eingebracht und heben durch ihre Spannung den Nagel langsam an, ohne ihn vom Nagelbett zu lösen. Auf diese Weise soll die Spange den Nagelrand in die korrekte Wachstumsrichtung ziehen und ihn über den Nagelwall heben. Die Anpassung solcher Nagelspangen erfolgt durch Podologen.
Ausserdem ist es wichtig, jedweden Druck im Schuhwerk zu vermeiden und auf eine gute Hygiene der Füsse zu achten. Auch die tägliche Desinfektion (z.B. mit Betadine) ist bei einem akuten Geschehen sinnvoll, um die Bakterienlast zu reduzieren.
Wenn sich eine akute Entzündung nicht verbessert oder sie sogar chronifiziert, ist eine Operation oftmals die einzige sinnvolle Behandlungsmöglichkeit. Auch wenn Sie immer wieder unter einwachsenden Zehennägeln leiden, macht es Sinn, Sie von diesem wiederkehrenden Leiden langfristig zu befreien.
Für die Operation wird die betroffene Grosszehe betäubt, so dass Sie während des Eingriffs keine Schmerzen verspüren. Es braucht dafür keine Vollnarkose und keinen Spitalaufenthalt.
Im Wesentlichen führe ich zwei verschiedene Operationen durch. Abhängig von Ihrer Krankengeschichte und dem lokalen Befund werde ich mit Ihnen die beiden operativen Möglichkeiten besprechen und Ihnen eine Therapieform empfehlen.
Da nur die betroffene Zehe betäubt wird, können Sie direkt nach der Operation nach Hause gehen. Sie brauchen keine Stöcke und dürfen belasten.
Da häufig als Teilursache ein seitlich zu stark nach unten gebogener Zehennagel vorliegt, wird der Nagel an der betroffenen Seite um wenige Millimeter verschmälert. Dazu wird ein kleines Stück des seitlichen Nagelrandes mitsamt der dazugehörigen Nagelwurzel entfernt. Meistens wird auch ein Teil der verdickten Nagelwallhaut entfernt. Die Form des Grosszehennagels wird durch diese Operation dauerhaft verändert, was teilweise kosmetisch stören kann.
Bei dieser Operation wird die Nagelwurzel nicht entfernt, sondern dort, wo sie nicht mehr nachwachsen soll mit Phenol verödet. Auch hier wird ein seitlicher Nagelstreifen entfernt, jedoch wird der Nagelwall meist belassen.
Da Sie nach der Operation eine offene Wunde an der Zehe haben, braucht diese bis zur Abheilung nach 2-3 Wochen etwas Pflege. Am Ende der Operation instruieren wir Sie in der täglichen Wundpflege und geben Ihnen sowohl das benötigte Material wie auch eine genaue schriftliche Anleitung mit.
In der Regel braucht es nach der Operation 1-3 mal eine wöchentliche Nachkontrolle, die Sie entweder bei Ihrem Hausarzt oder bei mir durchführen können. Vor allem in der Anfangsphase ist es wichtig, dass die Wunde gut von abgestorbenem Gewebe befreit (debridiert) und gereinigt wird.
In den meisten Fällen ist die Wundheilung nach 3 Wochen abgeschlossen, so dass Sie dann auch wieder Sport machen können und problemlos geschlossene Schuhe tragen können. In den ersten zwei Wochen ist das Tragen von geschlossenen Schuhen oftmals aufgrund des dicken Verbandes und der Schmerzen nicht möglich. Abhängig von Ihrem Beruf kann das zu einer 2-3 wöchigen Arbeitsunfähigkeit führen.